Chronik



Auszug aus der"Ortschronik von Köslienen bei Allenstein" von Alfons Dietrichsdorf


Buch


Quelle: Ortschronik von Köslienen bei Allenstein von A. Dietrichsdorf,


Meine Empfehlung.

 
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Verlag:  Selbstverlag, Alfons Dietrichsdorf, 27751 Delmenhorst, An der Bahn 6, Telefon: 04221- 411 75

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Der Hof Nr. 21, Familie Jagalla

Dieser Hof ist besonders alt und nimmt eine gewisse Sonderstellung ein, weil er seit dem Beginn der urkundlichen Quellen 1773 bis zum Jahre 1956 ununterbrochen im Besitz derselben Familie gewesen ist. Außerdem ist es das einzige Kösliener Bauerngehöft, das seit der Separation (in Köslienen seit 1843 durchgeführt) seinen Standort südlich des Wadang- Flusses hat. Am von einer Flussschleife umgebenen "Lehmberg" gelegen, grenzten die Ländereien dieses Hofes nach Südwesten an den Allensteiner Stadtforst, umschlossen den Kösliener Bauernwald bzw. die Siedlung Neu Köslienen und grenzten nach Osten an die Ländereien des Hofes Thamm.

Zu den besonderen Privilegien dieses Hofes gehörte seit Menschengedenken die Berechtigung zur Jagd im eigenen Wald und auf den eigenen Feldern.

Der älteste urkundlich nachweisbare Besitzer dieses Hofes ist Simon Jagalla, der etwa 1720 geboren war und in den Prästationstabellen des Amtes Allenstein von 1773 bis 1782 erscheint) Er besaß nach cöllmischem Maß 31/2 Hufen, das waren rund 68 Hektar, bäuerliches Scharwerks- oder Zinsland. Dafür wurde ihm vom Amt Allenstein am 6. Dezember 1780 ein "Besatz- und Annehmungsbrief" ausgestellt, den die Kgl. preußische Domainen- Kammer am 20. Dezember 1780 "confirmierte" (genehmigte). Simons Familiennamen wird in den Unterlagen unterschiedlich geschrieben: Jagala, Jigulla und Gegalla. Der Name seiner Ehefrau ist uns nicht bekannt, aber wir wissen, dass er mindestens zwei Kinder hatte, die Tochter Elisabeth und den Sohn Josef.

Simons Tochter Elisabeth Jagalla heiratete nach Abstich; sie schloss am 26. November 1775 in Allenstein (Kirche St. Jakobi) die Ehe mit Andreas Blazejewski dictus Block (geboren am 30. November 1745 in Abstich).

Simons Sohn Josef Jagalla, der um 1748 in Köslienen geboren war, erbte den Hof Nr. 21. 1784 wird er in der Prästationstabelle als Besitzer genannt. Er war verheiratet mit Martha, geborene Homann. Nach dem frühen Tod von Josef Jagalla wird dessen Witwe Martha Jagalla von 1795 bis 1803 als Besitzerin des Hofes genannt. 1801 wird erstmalig eine Eigenkate erwähnt, die auf ihren bäuerlichen Hufen steht und in der Instleute zur Miete wohnen).

Die Witwe Martha Jagalla vererbte den Hof auf ihren Sohn Andreas Jagalla, der am 25. November 1778 in Köslienen geboren war und in den Prästationstabellen von 1824 bis 1840 als Hofbesitzer genannt wird). Seine 3i/2 Hufen vormaliges Immediatland, die im Kataster die Nummer 5 tragen, werden jetzt als Bauernland bezeichnet und die Größe nach preußischem Maß mit 237 Morgen und 122 Quadratruten angegeben. Er hatte am 27. Oktober 1806 in Groß Kleeberg Katharina Masuch (geboren 8. Mai 1787 in Patricken) geheiratet. Das Ehepaar Andreas und Katharina Jagalla vererbte den Hof auf den Sohn Jakob Jagalla, der am 16. Oktober 1819 in Köslienen geboren war und am 13. Mai 1884 in Köslienen gestorben ist. Dieser wird 1855 als Hofbesitzer in den Prästationstabellen genannt); Am 5. Januar 1855 löste er den auf seinem Besitz lastenden Domainenzins ab. Am 15. November 1841 hatte er in Groß Kleeberg die Ehe mit Josefine (Josefa) Palmowski (geboren 18. Oktober 1821 in Klein Kleeberg, gestorben 26. Februar 1906 in Köslienen) geschlossen. 1861 kaufte Jakob Jagalla von Joseph Burchert, Bauer auf dem Hof Nr. 15, Bauernland in der Größe von 6 Morgen und 50 Quadratruten nach preußischem Maß hinzu, wofür er am 14. Juli 1861 die Dismembrationsbestätigung unter Nr. 4761/6 I erhielt. In der Folge der Separation hat Jakob Jagalla nach 1843 sein Gehöft aus dem Dorf an den Standort südlich des Wadang- Flusses verlegt. Einziges Überbleibsel des alten Jagalla- Gehöfts im Dorf ist noch der Bildstock, der westlich des Dorfteichs im ehemals Rescherschen Garten steht (vgl. Lageplan, Nr. 31). Zum Gedächtnis an Jakob Jagalla stand ein eisernes Wegekreuz mit Inschrift an der Abzweigung des Weges zum Jagalla- Hof dicht bei der Siedlung Neu Köslienen (vgl. Lageplan, Nr. 75); die Inschrift lautete: "Jakob Jagalla, 1819". Das stark verrostete Kreuz ist etwa 1983 abgebrochen und seitdem verschwunden. Auf dem Steinsockel wurde danach ein anderes schlichtes Wegekreuz aufgestellt.

Neben dem Sohn August, der später den Hof Nr. 21 erbte, hatten Jakob und Josefine Jagalla sieben Kinder:

1. Josef Jagalla, geboren am 29. Juli 1844 in Köslienen, gestorben 10. September 1913 in Dietrichswalde. Er war verheiratet mit Anna Sowa ( geboren 13. März 1838 in Wyranden, gestorben am 7. November 1871 in Dietrichswalde). Dieses Ehepaar hat einen eigenen Bauernhof in Dietrichswalde bewirtschaftet.

2. Johann Jagalla, geboren 26. Dezember 1849 in Köslienen, gestorben 17. Juli 1915 in Allenstein. Er war verheiratet mit Anna Surrey ( geboren 20. März 1850 in Alt Vierzighuben, gestorben 29. März 1905 in Allenstein). Dieses Ehepaar hat einen eigenen Bauernhof in Allenstein bewirtschaftet.

3. Viktor Jagalla, geboren 27. August 1852 in Köslienen, gestorben in Hochwalde. Er hatte in Diwitten Josefine Biehs (geboren 8. Mai 1856 in Hochwalde, gestorben 4. November 1923 in Hochwalde) geheiratet. Sie hatte den Hof ihrer Eltern in Hochwalde geerbt, den das Ehepaar Jagalla fortan bewirtschaftete. Josefine Biehs stammte aus derselben Familie Biehs, von der seit 1866 ein Zweig auf dem Hof Nr. 27 in Köslienen saß.

4. Franz Jagalla, geboren 6. Oktober 1853 in Köslienen, gestorben 2. April 1909 in Allenstein. Er war verheiratet mit Anna Fischer (geboren 22. Mai 1843 in Benern bei Freimark, gestorben 16. August 1909 in Allenstein). Dieses Ehepaar bewirtschaftete einen eigenen Bauernhof in Allenstein.

5. Barbara Jagalla, geboren 17. Juni 1861 in Köslienen, gestorben 5. Mai 1934 in Gilgenburg. Sie heiratete in Allenstein ( Kirche St. Jakobi) August Rogalli (geboren 22. Oktober 1855 in Diwitten, gestorben 23. Januar 1924 in Gilgenburg). Dieses Ehepaar bewirtschaftete eine eigene Landwirtschaft mit Mühlenbetrieb in Gilgenburg/Kreis Osterode.

6. Jakob Jagalla, geboren 2. Dezember 1863 in Köslienen, gestorben 9. April 1934 in Rom. Er wählte den geistlichen Beruf, wurde Ordenspriester in der polnischen Auferstehungs-Kongregation und war Prior verschiedener Häuser seines Ordens. 1920 wurde er Rektor des polnischen Kollegiums beim Vatikan. Vgl. das Kapitel über Kösliener im Dienst der katholischen Kirche.

7. Isidor Jagalla, geboren 22. September 1866 in Köslienen, studierte Medizin und wurde ein bekannter Frauenarzt in Hirschberg/Schlesien.

Jakob und Josefine Jagalla, geborene Palmowski, übertrugen den Hof Nr. 21 auf ihren Sohn August Jagalla, geboren 20. November 1858 in Köslienen, gestorben 31. Dezember 1930 in Köslienen. Die erste Frau von August Jagalla hieß Auguste. Nach deren Tod heiratete August Jagalla am 24. November 1909 in Rosenthal Leokadia Ewertowski (geboren 6. August 1879 in Rosenthal/Kreis Löbau). Um 1909 verkaufte August Jagalla 7,25 Hektar Land, das nördlich des Wadang- Flusses gelegen war, an Franz Bischof, der damit seinen Hof Nr. 6 vergrößert hat. Aus der ersten Ehe von August Jagalla stammten acht Kinder, aus der zweiten Ehe drei Kinder; diese elf Kinder waren:

1. Martha Jagalla, geboren 10. November 1886 in Köslienen, gestorben l. April 1962 in Patricken. Sie heiratete am 17. November 1909 in Allenstein (Kirche St. Jakobi) Paul Borchert (geboren l. Januar 1885 in Patricken, gestorben 1945 in Pr. Eylau). Dieses Ehepaar, dass sieben Kinder hatte, bewirtschaftete eine eigene Landwirtschaft mit Gaststätte in Patricken. Der Ehemann Paul Borchert war 1945 von sowjetischen Soldaten verschleppt worden und ist im Lager Preußisch Eylau umgekommen

2. Paul Jagalla, geboren 7. Juli 1888 in Köslienen, gestorben 1932 in Danzig. Er war landwirtschaftlicher Inspektor und ist bei einem Unfall ums Leben gekommen.

3. Josef Jagalla, geboren 3. Februar 1883 in Köslienen, gefallen 20. Oktober. Er war unverheiratet und ist im Ersten Weltkrieg 1914-1918 als Soldat der preußischen Armee gefallen. Sein Name erschien auf dem Kriegerdenkmal in Köslienen.

4. Valerie Jagalla, geboren in Köslienen und gestorben in Ahlbeck/DDR. Sie hatte in Allenstein, Kirche St. Jakobi, den Schiffsmaschinisten Karl Schwensfeier geheiratet, der aus Allenstein stammte. Aus dieser Ehe sind zwei Söhne hervorgegangen. Die Familie Schwensfeier wohnte nach 1945 in Ahlbeck/DDR.

5. Anastasia Jagalla, geboren 26. Juli 1895 in Köslienen, gestorben im April 1944 in Elisenhof. Sie hatte am 12. September 1920 in Allenstein, Kirche St. Josefi, den Tischlermeister Anton Meik geheiratet, der aus Micken stammte. Dieses Ehepaar wohnte in Elisenhof/ Kreis Allenstein und hatte zwei Kinder, wovon ein Sohn im Zweiten Weltkrieg gefallen ist.

6. Angelika Jagalla, geboren 11. April 1899 in Köslienen, gestorben 20. Juli 1984 in Lendringsen. Sie hatte am 6. September 1921 in Allenstein, Kirche St. Josefi, den Lehrer Josef Baukrowitz geheiratet, der aus Wengaithen stammte. Im gleichen Jahr war dieses Ehepaar nach Lendringsen/Kreis Iserlohn übergesiedelt. Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen.

7. Vitalis Jagalla, geboren 12. November 1900 in Köslienen, gestorben 27. Januar 1945 in Göttkendorf. Er hatte am 13. November 1938 in Jonkendorf Maria Certa ( geboren 3. Mai 1906 in Wengaithen) geheiratet. Dieses Ehepaar hatte die drei Kinder Maria-Theresia, Lucia und Gertrud und bewirtschaftete einen eigenen Bauernhof in Göttkendorf. Dort haben sowjetische Soldaten Vitalis Jagalla gemeinsam mit etlichen anderen Deutschen am 27. Januar 1945 erschossen; die Opfer liegen in Göttkendorf in einem Massengrab beerdigt. Die Witwe Maria Jagalla wohnt jetzt in Recklinghausen.

8. Agnes Jagalla. Sie ist als Kind in Köslienen verstorben.

9. Bruno Jagalla, geboren 27. Oktober 1910 in Köslienen, gefallen 5. August 1944 in Piekutowo bei Augustow- Grojewo, Sowjetunion. Er war Erbe des väterlichen Hofes in Köslienen und unverheiratet.

10. Anton Jagalla, geboren 30. August 1912 in Köslienen. Er hatte auf dem elterlichen Hof mitgearbeitet, von wo aus er im Frühjahr 1945 in die Sowjetunion verschleppt worden ist. 1949 kehrte er aus Russland zurück und ging nach Westdeutschland, wo er Arbeit als Möbelverkäufer fand. Am 9. Mai 1953 hat er in Möchengladbach Johanna Peters (geboren 27. August 1919 in Mönchengladbach) geheiratet. Aus dieser Ehe sind die Kinder Ingeborg und Hans-Georg Jagalla hervorgegangen. Die Familie Anton Jagalla wohnt jetzt in 5143 Wassenberg, Bezirk Aachen, Erkelenzer Straße 47.

11. Lucia Jagalla, geboren 10. März 1914 in Köslienen. Sie heiratete am 20. Juni 1939 in Allenstein, Kirche St. Josefi, den Berufssoldaten Johann Klomfaß (geboren 5. Februar 1912 in Klein Kleeberg). Aus dieser Ehe stammte eine Tochter, die als Kleinkind verstorben ist.

August Jagalla, der den Hof seit 1885 innehatte, ließ bei dem Insthaus am Wadang- Fluss 1911 einen neuen Stall für das Vieh der Instfamilien errichten. 1913 baute er auf seinem Gehöft einen neuen Wagenschauer, 10 mal 6 Meter messend, an den Pferdestall an; die Bauzeichnung und die Genehmigungspapiere für diese Baumaßnahme sind noch vorhanden526). Nach dem Tod von August Jagalla 1930 bewirtschaftete seine Witwe Leokadia den Hof; Sie ist im landwirtschaftlichen Adressbuch von 1932527) als Hofbesitzerin aufgeführt. Weiterhin ist in diesem Werk für den Hof ein Einheitswert von 18500,-Reichsmark angegeben und eine Größe von 58 Hektar, die sich wie folgt aufteilt: 46,5 ha Acker und Garten, 2,5 ha Wiesen, 7 ha Holzungen und 2 ha Unland und Wege. Als Viehbestand nennt das Adressbuch 8 Pferde, 17 Kühe, 8 Rinder, 6 Schafe und 12 Schweine. 1935 übernahm der Hoferbe Bruno Jagalla den Besitz. Nach dessen Einberufung zur Wehrmacht 1941 übernahm wieder seine Mutter, die Altbäuerin Leokadia Jagalla, den Hof und bewirtschaftete ihn mit ihrem jüngeren Sohn Anton. Als am 21. Januar 1945 die Rote Armee die Stadt Allenstein besetzte, ging auch die Familie Jagalla auf die Flucht über den Wadang- Fluss nach Norden. Die Seniorin Witwe Leokadia Jagalla, ihr Sohn Anton und ihre Tochter Lucia Klomfaß mit deren vier Wochen altem Töchterchen gelangten nur bis Diwitten; von dort kehrten sie nach 8 Tagen auf den Hof zurück. Mit ihnen kehrten einige Leute aus dem Jagallaschen Insthaus heim sowie eine aus dem Rheinland evakuierte Frau mit zwei Kleinkindern. Der Hof war stark verwüstet. Man machte das Wohnhaus notdürftig wieder bewohnbar. Die neuen Machthaber versuchten sofort, die Heimkehrer von dem Hof wieder zu verjagen, aber die verzweifelten Deutschen blieben standhaft und ließen sich nicht von dem Besitz vertreiben. Im Februar 1945 nahmen sowjetische Soldaten den einzigen Mann auf dem Hof, Anton Jagalla, mit und verschleppten ihn nach Osten. Ende Juni 1945 verstarb die kleine Tochter von Lucia Klomfaß. Ein 1944 geborener Junge aus der Verwandtschaft ihres Mannes, dessen Mutter im Alter von 22 Jahren erschossen worden war, fand zu dieser Zeit bei Lucia Klomfaß Aufnahme und mütterliche Pflege. Im November 1945 bekam Frau Klomfaß Arbeit in Allenstein und verdiente fortan Lebensunterhalt für die kleine Schar der ihr Anvertrauten. 1946 kam noch der Altbauer Franz Biehs (geboren 18. Juni 1875 in Köslienen) auf den Jagalla- Hof; sein Hof Nr. 27 war abgebrannt, alle seine Angehörigen waren tot und er war völlig verzweifelt und ohne jeden Lebensmut. Leokadia Jagalla nahm ihn auf und pflegte ihn, als er krank wurde. Schließlich gelang es den tapferen Frauen, für Franz Biehs einen Pflegeplatz im Altersheim in Wartenburg zu erstreiten. Als die polnische Verwaltung 1946/47 allen noch stehenden Wohnhäusern in Köslienen Hausnummern zuteilte, erhielt der Jagalla- Hof die Hausnummer l. Trotz der sehr schwierigen Zeiten versuchte Leokadia Jagalla, um mit den Ihren nicht zu verhungern, weiterhin etwas Landwirtschaft zu betreiben. Bei der Landbestellung hatte sie einige Jahre eine gewisse Hilfe durch Herrn Sikora, der nach 1945 ins Dorf gekommen war und im ehemaligen Rescher- Haus (Haus Nr. 31) wohnte. Waren bis 1945 rund 50 Hektar des Anwesens Acker- bzw. Grünland und 5 Hektar Waldbesitz, so wurde danach von Jahr zu Jahr weniger Land bearbeitet, und der Waldanteil wuchs durch Selbstaussaat rasch an. Ein 1955 vom Katasteramt Allenstein erstellter Lageplan des Hofes528) weist als Größe 57,27 ha aus, die sich aufschlüsseln in 27,38 ha Acker, 4,24 ha Grünland, 24,29 ha Wald(!), 1 ha Hofraum und 0,36 ha Brachland. Das massiv aus Ziegelsteinen erbaute große Wohnhaus hatte ursprünglich ein Pfannendach, das nach dem Krieg durch Wellplatten ersetzt worden war. Im rechten Winkel zum Wohnhaus stand der massive Vieh- und Pferdestall, der ebenfalls mit Pfannen gedeckt war. Zum Hof gehörte der Bildstock am Waldhaus Neu Wadang, der schon knapp außerhalb der Kösliener Gemeindegrenze steht (vgl. Lageplan, Nr. 76). Leokadia Jagalla ist am 31. März 1956 in Allenstein verstorben. Daraufhin ordnete ihre Tochter Lucia Klomfaß den Nachlass und übersiedelte mit ihrem Pflegesohn am 5. August 1956 nach Westdeutschland. Ihre Adresse ist jetzt 4050 Mönchengladbach l, Viersener Straße 18.

Im Laufe des Jahres 1956 übernahm Josef Palmowski, der aus Wuttrienen stammte, gemeinsam mit seiner zweiten Frau Klara, geborene Radtke, den Hof Nr. 21. Das Ehepaar Palmowski musste den Hof aber etwa 1958/59 wieder verlassen und den Besitz an Roman Domagala übergeben, den einflussreichen Gründer und ersten Direktor der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Köslienen R. S. P.; Domagala übersiedelte dann Anfang 1961 auf den ehemaligen Palmowski- Hof (Hof Nr. 23), und aus dem Hof Nr. 21 wurde in der Folgezeit ein Tierheim der Stadt Allenstein. Für den Um- und Ausbau sowie für die Errichtung einer umfangreichen Zwingeranlage wurden erhebliche Mittel aufgewendet. Darüber kam großer Unmut in der Allensteiner Bevölkerung auf, denn man hätte stattdessen lieber ein dringend erforderliches Erholungsheim oder eine Altenbegegnungsstätte geschaffen. Nun mussten die alten Leute auf ihr Heim verzichten, und das Geld wurde für die Verwahrung herrenloser Hunde und anderer Tiere ausgegeben. Die zum Hof gehörenden Ländereien wurden ab 1962/63 parzelliert und in Schrebergärten umgewandelt.

Schließlich gehörte zum Hof Nr. 21 das Insthaus, das dicht am Wadangufer stand (vgl. Lageplan, Nr. 37). 1911 wurde neben diesem Haus ein Stall errichtet, der 13 mal 5 Meter groß ist und innen in sechs Buchten unterteilt ist; jede der drei Instfamilien erhielt für ihr Vieh zwei Buchten zugeteilt. Bis 1945 wohnten in diesem Insthaus die Familien Fröhlich, Karbowski und Richert. Das Jagallasche Insthaus Nr. 37 wurde in Köslienen scherzhaft "die Arche Noahs" oder "die Arche" genannt. Mit dieser Bezeichnung hatte es folgende Bewandtnis. Das Insthaus war aus Holz gebaut und stand ursprünglich auf einem sehr niedrigen Fundament, nur 48 Meter vom Ufer des Wadang- Flusses entfernt, unten am nördlichen Abhang des Lehmberges. Wenn der Fluss Hochwasser führte, wurde das Haus vom Wasser umspült. Bei einem besonders starken Hochwasser soll das Haus einmal samt seinen Bewohnern fortgeschwemmt worden sein, so dass es wie die Arche des biblischen Noah auf dem Wasser dahintrieb. Man hat das Haus danach auf einem höheren Steinfundament an der alten Stelle wieder aufgebaut, aber es blieb hochwassergefährdet, so dass die Bewohner bei hohem Wasserstand im Fluss immer auf der Hut sein mußten.


Bekannte Persönlichkeiten und Akademiker aus Köslienen:


Isidor Jagalla (Isidor Jagałła), Arzt und Gynäkologe, 22.09.1866 - 26.02.1928

Als Sohn des Kösliener Hofbesitzers Jakob Jagalla und dessen Ehefrau Josefine, geborene Palmowski, war Isidor Jagalla am 22. September 1866 in Köslienen geboren worden. Er war das jüngste von acht Kindern. Nach dem Abitur studierte er Medizin und wurde Arzt. Nach seiner Spezialisierung zum Gynäkologen betrieb er eine gutgehende Praxis als Frauenarzt in Hirschberg (Schlesien). Er war verheiratet mit Gertrud Roßmann (geboren 2. November 1864 in Wehrau, Kreis Bunzlau, Schlesien). Isidor Jagalla ist am 26. Februar 1928 in Hirschberg verstorben; Seine Witwe übersiedelte darauf nach Berlin-Dahlem, wo sie ihren Lebensabend verbracht hat.


Jakob Jagalla (Jakub Jagałła), 02.12.1863 - 09.04.1934

JakubJakob Jagalla war Ordenspriester. Er wurde am 2. Dezember 1863 in Köslienen als Sohn des Kösliener Hofbesitzers Jakob Jagalla und dessen Ehefrau Josefine, geborene Palmowski geboren und ist am 9. April 1934 in Rom verstorben. Jakob Jagalla hatte das Gymnasium in Löbau besucht und dort 1885 das Abitur gemacht. 1887 trat er in den Priesterlichen Auferstehungs-Orden in Krakau ein. Er studierte von 1888 bis 1892 Theologie und Philosophie in Lemberg und wurde 1892 in Rom zum Priester geweiht. Danach wurde er Vizerektor und Studienpräfekt an der Zöglingsanstalt seines Ordens in Lemberg, wo er auch philosophische und wissenschaftliche Vorlesungen hielt. Mitte 1895 wurde er Rektor dieser Zöglingsanstalt. Seit September 1897 war er nacheinander Vorsteher (Prior) verschiedener Häuser seines Ordens, zunächst in Krakau (bis 1902), dann in Lemberg (1902 bis 1908), anschließend in Adrianopel, Türkei (1908 bis 1911) und schließlich wieder in Lemberg (1911 bis 1920). Im Juli 1920 wurde er zum Rektor des polnischen Kollegiums beim Vatikan in Rom ernannt. Er förderte durch materielle Hilfen die Ausbildung der ermländischen Jugend, und 1920 überwies er eine beträchtliche Dollar- Spende für die polnische Seite der Volksabstimmungs-Bewegung. 1928 unterstützte er die in Bromberg erfolgte Gründung einer polnischen Landsmannschaft für Ermland, Masuren und das Weichselgebiet. Auf seine Initiative hin bemühte sich die polnische Botschaft in Rom 1930 um Einfluss auf die Bischofswahl im Ermland, um einen dem Polentum wohlgesonnenen Kandidaten durchzubringen. Die polnischsprachige Allensteiner Zeitung "Gazeta Olsztynska" veröffentlichte zahlreiche aus seiner Feder stammende Artikel und Leserbriefe. Jakob Jagalla beherrschte neben der deutschen und der polnischen Sprache auch Französisch und Italienisch sowie etwas Bulgarisch und Türkisch. In den polnischen gedruckten Werken über das Ermland, in denen er häufig erwähnt wird, ist sein Name auch "Jakub Jagala" geschrieben. Er hinterließ eine umfangreiche Korrespondenz456). Er weilte öfters in Köslienen zu Besuch, und dann hat er meistens in der St.- Rosalia- Kapelle eine Hl. Messe gelesen und war anschließend bei Familie Sowa im dortigen propolnischen Zirkel zu Gast; Jakob Jagalla war ein sehr eifriger Kämpfer für das Polentum im Ermland.



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